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E G F Ü R K Ü N S T L E R G R U P P E
eToys.com gibt nach Der US-Spielzeughändler eToys.com hat seine Klage gegen die Künstlergruppe etoy zurückgezogen. Schon bald soll die umstrittene Domain etoy.com wieder online sein. Die Worte in der Pressemitteilung sind deutlich: Von einem "Sieg für etoy und die Internetgemeinde" sprechen die Künstler da, von einem "großartigen Moment" und einem "naiven Kampf" des Spielzeugkonzerns. Jetzt, im Angesicht des Triumphes, würden erst einmal die Champagnerflaschen geköpft - und Drogen konsumiert.
Allerdings wird durch die Einigung, so die Anwälte beider Seiten, keine Entscheidung im immer noch schwelenden Konflikt getroffen. Die Kontrahenten können somit jederzeit wieder vor Gericht ziehen. Freunde der Künstlergruppe haben bereits Befürchtungen geäußert, dass eToys.com spätestens zur besonders umsatzträchtigen Weihnachtszeit wieder gegen die etoy-Domain vorgehen könne. Bereits Ende Dezember war eToys.com auf eine Kompromisslinie eingeschwenkt. Die Verhandlungen zogen sich jedoch noch Wochen hin. "Wir haben letztlich auf unsere Forderung nach einer Entschuldigung eToys.com verzichtet", zitiert "Wired" den etoy-Anwalt Chris Truax. "Ein so großer Konzern kann vielleicht aus seinen Fehlern lernen, er wird sie aber nicht bereuen." Der Künstlergruppe sei es letztlich zu verdanken, dass eToys.com "mit einem blauen Auge" davon gekommen sei. Auch der Sprecher der kalifornischen Firma, Ken Ross, scheint das ähnlich zu sehen. "Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden", sagte er der "New York Times". Seine Firma sei von einer großen Zahl von Menschen dazu gedrängt worden, gemeinsam mit etoy einen Ausweg zu finden. Ross: "Und genau das haben wir versucht." Als nächsten Schritt will eToys.com das Gerichtsverfahren offiziell beenden und damit die Rückgabe der Domain etoy.com an die Künstler ermöglichen. Deren Anwalt Truax rechnet damit, dass die Website Anfang nächster Woche wieder online sein wird.
Auch wenn eToys.com im November vor Gericht einen vorläufigen Sieg erringen konnte, waren Experten bis zuletzt skeptisch, ob dieser auch in der Hauptverhandlung standhalten würde. Denn die Künstlergruppe ist bereits seit 1995 im Netz vertreten, der Spielzeughändler dagegen erst seit 1997. Neben der unsicheren Rechtslage dürfte letztlich aber auch ein massiver Imageverlust zum Einlenken der US-Firma geführt haben. Denn im Zuge einer breit angelegten Internet-Kampagne der etoy-Unterstützer hat der Ruf des Konzerns - genauso wie sein Aktienkurs - stark gelitten. Dass sich die Künstler angesichts des ausgehandelten Kompromisses in Zukunft zurückhalten und anstößige Bilder von ihren Seiten entfernen werden, bezweifeln Beobachter. Auch die Pressemitteilung zum "Sieg über eToys" scheint dies zu belegen. Dort wird in deutlichen Worten beschrieben, welch Vergnügen es war, mit einem der "größten E-Commerce-Giganten der Welt" Geschäfte zu machen. Denn das war für die Künstler "f*u*c*k*i*n*g intense & really expensive". Alexander
Stirn
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SPIEGEL ONLINE 04/2000
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